Kredit Scoring: Neues Infoblatt vom Verbraucherschutzministerium
Das Verbraucherschutzministerium Rheinland-Pfalz hat zusammen mit dem Landesdatenschutzbeauftragten und der Verbraucherzentrale ein Info-Blatt rund um Scoring-Verfahren von Auskunfteien und Banken herausgegeben.
In dem Infoblatt wird zum Beispiel auf einige Neuerungen im Bundesdatenschutzgesetz hingewiesen, die seit dem 01. April für Scoring-Verfahren gelten. So dürfen für die Ermittlung eines Scorewertes nur Methoden angewandt werden, die wissenschaftlich nachgewiesen für die Berechnung des statistischen Kreditrisikos sind.
Als Beispiel wird in dem Infoblatt das Merkmal Lebensalter aufgeführt. Den Angaben zufolge darf das Lebensalter für den Scorwert eine Rolle spielen, wenn statistisch nachgewiesen ist, dass "ältere Menschen eine bessere Zahlungsmoral haben als jüngere".
Was genau als "statistisch nachgewiesen" gilt, steht in der Info allerdings nicht. Reicht eine einfache Korrelation zwischen Zahlungsausfällen und Lebensalter als Nachweis aus, sind die Grenzen zur Diskriminierung jüngerer fließend. Wirkliche Aussagekraft besitzt ein solcher Nachweis bezogen auf eine einzelne Person nicht. Dazu müsste der Einfluss anderer Variablen ermittelt und bereinigt werden.
Dem Infoblatt zufolge dürfen Adressinformationen nicht mehr ausschließlich für die Bestimmung des Scorewertes dienen. Wenn Adressdaten das Scoring neben anderen Variablen einbezogen werden, müssen Betroffene vorab darüber unterrichtet werden. Bislang ist nicht bekannt, dass Auskunfteien Verbraucher über den Einbezug ihrer Anschrift in die Ermittlung der Kreditwürdigkeit einbeziehen.
Verbraucher haben zudem das Recht auf eine Auskunft darüber, wie ihr Scorewert zustande kommt. Das steht eigentlich im Gegensatz zur Politik der Auskunfteien, die die Zusammensetzung ihrer Scorewerte als Betriebsgeheimnis betrachten und sie deshalb nicht offenlegen.
Verbraucher sollten regelmäßig die zu ihrer Person gespeicherten Daten überprüfen und auch ihre Scorewerte beobachten. Wird ein Kreditantrag abgelehnt, liegt dies oft am Scorewert. Bei mittelmäßigen bis schwachen Scores vergeben viele Banken kategorisch keine Kredite, auch wenn ein regelmäßiges Einkommen vorliegt.
Auf gar keinen Fall sollte dann blindlings bei der nächsten Bank angefragt werden. Häufige Kreditanfragen in kurzer Zeit können den Scorewert verschlechtern. Nach einer Ablehnung kann oft ein Kreditvermittler helfen, der die Vergabepraxis seiner Partner-Banken gut kennt und bereits vorab die Chancen einschätzen kann. Unter Umständen kann dann auch ein Kredit ohne Schufa die beste Lösung sein.
Das Infoblatt des Verbraucherschutzministeriums Rheinland-Pfalz zum Kredit Scoring ist zu bestellen unter:
Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz
Kaiser-Friedrich-Straße 1
55116 Mainz
Telefon 06131/16-4468
eMail: bestellung@mufv.rlp.de
oder per Download auf www.mufv.rlp.de.
Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Beitrag wurde sorgfältig recherchiert und gibt den Sachstand vom 20.01.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind im Beitrag nicht berücksichtigt. Eine Haftung für Inhalte wird nicht übernommen.
Über diesen Beitrag
Veröffentlicht am: 20.01.2011
Abrufe: 7344
Schlagwörter: Kredit Scoring, Infoblatt, Scoring-Verfahren, Auskunfteien, Banken
Zurück zur Übersicht von creditolo Aktuell